Trainingsplan Fussball: Aufwärmen im Fussball (1)

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Aufwärmen – überflüssig oder sinnvoll?

Schaut man sich Trainingseinheiten oder Spiele im Kinder- und Jugendfußball in verschiedenen Alters- und Leistungsklassen an, so muß man feststellen, dass das Aufwärmen im Fussball selten altersgemäß und entsprechend den folgenden Anforderungen von Training, bzw. Spiel durchgeführt wird.
Dabei gilt es aus Trainersicht gerade in den verschiedenen Altersstufen unterschiedliche physiologische, psychologische sowie pädagogische Aspekte auch schon beim Aufwärmen zu beachten.

Einführung in die Thematik die allgemein gültigen Funktionen und Wirkungen des Aufwärmens auf die unterschiedlichen Organsysteme, also unabhängig von Alter und Leistungsklasse, in einer Übersicht kurz darstellen (aus: Freiwald, „Aufwärmen Fußball“, rororo, 1994):

Trainingsplan Fussball - Aufwärmspiele

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Anstieg der Herzfrequenz

  • Regulation des Blutdrucks
  • Regulation des Gefässtonus im Zusammenspiel mit hormonellen Einflußgrößen
  • Erhöhung der Sauerstoffaufnahme und Kohlendioxidabgabe durch die Erhöhung von Atemminutenvolumen und Herzminutenvolumen
  • Steigerung der (Muskel-)Durchblutung durch Öffnung der Kapillaren (kleinste Blutgefäße)
  • Engstellung der Gefäße in der nicht an der Arbeit beteiligten Muskulatur und den Organen (z.B. Magen-Darm-Trakt ; Sexualorgane)
  • Verbesserte Energie- und Sauerstoffversorgung (Erhöhung der Stoffwechselkapazität)
  • Vermehrte Ausschüttung von bestimmten, für die Leistungsfähigkeit wichtigen Hormone (u.a. Glukagon, Wachstumshormone, Adrenaline u.a.)

Muskulatur:

  • Erhöhung der Muskel- und Körperkerntemperatur
  • Steigerung der (Muskel-)Durchblutung durch Öffnung der Kapillare
  • Intensivierung des Stoffwechsels durch eine verbesserte Versorgung der Muskulatur mit Sauerstoff und Nährstoffen
  • Verminderung elastischer und visköser Widerstände in der Muskulatur durch die erzielte Temperaturerhöhung
  • Erhöhte Kontraktionsgeschwindigkeit
  • Sensibilisierung der Muskelspindelaktivitäten
  • Optimierung des muskulären Tonus (Spannungszustand der Muskulatur)
  • Verringerte Verletzungsanfälligkeit

Kapsel-, Band-, Sehnen-, Knorpelsystem:

  • Vorbereitung der Kapseln, Bänder und Sehnen auf mechanische Belastung
  • Verdickung des gelenküberziehenden Knorpels; einwirkende Kräfte werden auf eine größere Auflagefläche verteilt und durch die zunehmende Elastizität (Wasserbindung) abgepuffert
  • Verbesserte Ernährungs- und Belastungsbedingungen werden geschaffen

Nervöses System:

  • Mit steigender Körpertemperatur laufen alle nervösen Vorgänge schneller ab (Wahrnehmungs- und Weiterleitungsgeschwindigkeit)
  • Verbesserung des koordinativen Leistungsvermögens (Reaktivierung des Lernsystems); der Sportler „lernt leichter“
  • Erhöhung der Reaktionsfähigkeit
  • Verbesserte Koordination

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Das Aufwaermen im Grundlagentraining: (Bambinis / Mini-F / F / E-Junioren)

Aufwärmen im Fussball - Aufwärmspiele

Aufwärmen im Fussball – Aufwärmspiele

Das Aufwärmen (warm up) vor und das Abwärmen (cool down) nach dem Training / Spiel gehören im heutigen Seniorenfußball aus trainingswissenschaftlichen Gründen zum Pflichtprogramm eines jeden Spielers, um ihn auf die bevorstehenden psychophysischen Belastungen optimal vorzubereiten, Verletzungen des aktiven und passiven Bewegungsapparates vorzubeugen, sowie eine gezielte Regeneration in der Nachbelastungsphase einzuleiten.

„Je höher die physischen und psychischen Anforderungen im folgenden Training oder Wettkampf, desto intensiver, spezifischer und individueller muß die Aufwärmphase sein!“
Wie aber sieht es bei Kindern zwischen dem 6. und 10. Lebensjahr, also dem sogenannten Grundlagenalter, aus? Gelten hier die gleichen Bedingungen wie im Seniorenbereich oder kommen hier andere Dinge zum Tragen?
Das Fußball spielende Kind unterliegt aufgrund seines entwicklungsbedingten Unterschieds veränderten physiologischen und psychologischen Gesetzmäßigkeiten gegenüber dem Erwachsenen.

Aus diesem Grunde sind die Inhalte, Intensitäten sowie die dazugehörigen Methoden des Erwachsenentrainings auch nicht 1 : 1 auf das Kindertraining zu übertragen!
Dies gilt natürlich auch für das Aufwärmen vor einem Training oder Spiel und muß dementsprechend vom Trainer berücksichtigt werden.

Das Kind dieser Altersstufe zeichnet sich durch einen sehr starken, natürlichen Bewegungsdrang aus, was gehirnphysiologisch mit dem hohen Dopaminanteil zu erklären ist. Zudem ist bis zu einem Alter von ca. 9 – 10 Jahren von einer hohen Flexibilität von Muskeln und Gelenken auszugehen, während erst mit Einsetzen der Pubertät deren Beweglichkeit ohne spezielles Training wieder abnimmt!

Konsequenterweise ergibt sich für das Aufwärmen in den Altersgruppen „Bambinis“, „Super – Minis“, „Mini – F“, „F – Junioren“ sowie einschließlich bis ca. Ende der „E – Junioren“ lediglich sekundär die Notwendigkeit eines Aufwärmprogramms im Sinne einer Verletzungsprophylaxe mit für die Kinder eher demotivierenden Stretchingübungen oder dem klassischen „Einlaufen“ ohne Ball!

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Primär bestimmen in diesen Altersklassen motivationale Gesichtspunkte wie eine freudvolle Einstimmung auf das Training zu Beispiel mit Hilfe von kleinen Ball-, „Rauf- und Tummelspielen“ etc. die Erwärmungsphase. (vgl. Reihe „Spiel des Monats“)

Aufwärmen im Fussball - Koordination

Aufwärmen im Fussball – Koordination

Zwei wesentliche Aspekte in der Aufwärmphase dieser Altersgruppen sollten dabei inhaltlich allerdings berücksichtigt werden:

  • zum einen spricht in diesen Altersstufen der Organismus besonders gut auf die Schulung technischer bzw. koordinativer Elemente an. Diese Technikelemente sollten deswegen immer wieder in spielerischer Form in das Aufwärmprogramm integriert werden und
  • zum anderen sollte dem heranwachsenden Spieler aus pädagogischen Gründen (Verhaltens- und Charakterschulung!) mit zunehmendem Alter klar werden, daß das Aufwärmen – in welcher Form auch immer – ein fester Bestandteil vor dem Training und dem Spiel ist!

Aus psychologischer Sicht ist es wichtig, die Kinder in ihren Bemühungen bei den für sie zum Teil noch schwierigen technischen Basisübungen wie den Ball passen, stoppen und führen immer wieder durch entsprechendes Loben Mut zuzusprechen und damit zum ständigen Üben trotz sich ergebender Widerstände oder Enttäuschungen zu ermuntern.
Kleine Rauf- und Tummelspiele (s.o.) in der Aufwärmphase mit oder ohne Wettkampfcharakter, z.Bsp. in Form von kleinen Staffelwettbewerben etc., erfüllen hierbei zudem eine wichtige soziale Funktion, da sie von Anfang an in spielerischer Form – quasi in Ergänzung zur Ausbildung der individuellen technischen Fertigkeiten am Ball – den Mannschaftscharakter der Sportart Fußball den Kindern näher bringt.

So lernen die Kinder frühzeitig in der Gruppe den für ihre weitere Entwicklung so wichtigen Umgang mit Mißerfolgserlebnissen, die bekanntermaßen zum Sport dazu gehören.
Somit kommt gerade den Trainern und Betreuern dieser Altersklassen, was die methodisch – didaktische Arbeit, sowie die pädagogische und psychologische Betreuung der Kinder angeht, eine wesentliche Verantwortung zu, um hoffnungsvollen Talenten frühzeitig einen Erfolg versprechenden Weg zu bahnen!

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Aufwärmen im Aufbautraining („D / C – Junioren“).

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