Aufwärmen im Fussball (2)

Aufwärmen im Fußball

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Aufwärmen im Fussball 2

Aufwärmen im Fussball 2

Im Teil 1 haben wir uns mit den allgemeinen Prinzipien des Aufwärmens sowie mit dem Aufwärmen im Grundlagenalter unter verschiedenen Gesichtspunkten beschäftigt.

Nun geht es um die Besonderheiten zum Aufwärmen im Fussball im D- und C- Juniorenbereich, also dem Alter des Aufbautrainings.

Das Aufwärmen im Aufbautraining (D- / C- Junioren):

Das Aufbautrainingsalter kann in vielerlei Hinsicht als Übergangsphase bezeichnet werden, was auch Konsequenzen für das Aufwärmen der Heranwachsenden haben muß!

So können die im Grundlagenalter erlernten und in der Grob- und Feinform beherrschten elementaren individuellen Techniken (den Ball passen, an- und mitnehmen, dribbeln und fintieren) in der sensiblen Phase des „Goldenen Lernalters“ ca. zwischen dem 10. und 12. Lebensjahr nochmals einem „Feinschliff“ unterzogen werden.

Aufwärmen im Fussball mit Koordinationsübunen

Aufwärmen im Fussball mit Koordinationsübunen

Basisbewegungen im Aufwärmprogramm
Die fußballspezifischen Basistechniken erreichen in diesem Alter allmählich die Stufe der Feinstkoordination, so daß die entsprechenden Bewegungen „automatisiert“ werden. D.h. das Fußball spielende, heranwachsende Kind macht unbewußt die verlangten Techniken auch in schwierigen, unvorhersehbaren Situationen richtig und muß nicht mehr bewußt über die Art und Weise der Technikausführung nachdenken.

Dieser für das motorische Lernen wichtigen sensiblen Phase des „Goldenen Lernalters“ sollte der Trainer vor allem auch beim Training und vor dem Spiel in der Form Beachtung schenken, dass er die fußballspezifischen Basistechniken in die Aufwärmphase regelmäßig integriert. Hierzu eignen sich besonders gut die Organisationsformen und Techniken des „Großgruppentrainings“.

Basisbewegungen im Aufwärmprogramm haben den Vorteil, daß die Heranwachsenden von Anfang an mit Spaß bei der Sache sind, weil der Ball „im Spiel“ ist.

Zum anderen ist dies eine schöne Möglichkeit der Trainingseinführung, wenn im anschließenden Hauptteil des Trainings anspruchsvollere Techniken in verschiedenen Varianten oder / und mit höherem Zeit- und Gegnerdruck geübt werden sollen.

Taktische Grundgedanken im Aufwärmen
Des weiteren erfährt die im Grundlagenalter erfolgte Vermittlung des wesentlichen taktischen Grundgedankens des großen Spiels Fußball: „Tore verhindern und Tore erzielen“ in der Übergangsphase des Aufbautrainings einige wichtige Ergänzungen individual- und mannschaftstaktischer Art.

So bilden das individualtaktische Angriffs- und Abwehrverhalten sowie die Grundlagen des fußballspezifischen mannschaftstaktischen Verhaltens eine zentrale Rolle in den entsprechenden Ausbildungsabschnitten des Aufbautrainings.

Das Aufwärmprogramm sollte auch in dieser Hinsicht Rücksicht auf die im Hauptteil einzuübenden Trainingsschwerpunkte nehmen und mit entsprechenden hinführenden Übungsformen gestaltet werden.

So können die taktischen Basiselemente wie das „Übergeben und Übernehmen des Balles“, das „Hinterlaufen des Mitspielers“ oder das „Kreuzen mit dem Mitspieler“ in einfachen Partner- bzw. Kleingruppenübungen schon während des Aufwärmens in lockerem Lauftempo einstudiert werden, um die im Fußball typischen Ball- und Laufwege zu erlernen und zu festigen.

Entwicklungsbedingte Unterschiede
Ein weiterer, für die Übergangsphase des Aufbautrainings wesentlicher Aspekt, ist das individuell zeitlich unterschiedliche Einsetzen der Pubertät der Heranwachsenden.
Es gilt hierbei sowohl den geschlechtsspezifischen Unterschied, also den zwischen Jungen und Mädchen, also auch den Unterschied bzgl. des biologischen und kalendarischen Alters innerhalb eines Geschlechts zu beachten!
Diese unterschiedliche physische wie psychische Entwicklung der Heranwachsenden verlangt von dem Trainer viel Einfühlungs- und Differenzierungsvermögen, da die zuvor eher bzgl. ihrer körperlich-seelischen Entwicklung homogene Mannschaft in der Übergangsphase des Aufbautrainings zunehmend heterogener und erst nach Abschluß der pubertären Entwicklung im B- bzw. A- Juniorenalter durch physische und psychische „Angleichungsprozesse“ wieder homogener wird!
So hat das Einsetzen der Pubertät mit den damit verbundenen psycho-physischen Veränderungen für die Trainingspraxis und somit auch für das Aufwärmen in erster Linie zwei Konsequenzen:

Zum einen kann der Trainer durch die zunehmende geistig-seelische Reife der Heranwachsenden seinen Coaching- bzw. Führungsstil in der Form ändern, daß er nach und nach immer mehr Verantwortung und Selbständigkeit schon im Aufwärmprogramm von den Spielern bzw. Spielerinnen verlangt, da sie nunmehr auch in der Lage sind, mit diesen neuen Anforderungen eigenständig und verantwortungsbewußt umzugehen.
Zum anderen muß der Trainer die zunehmenden physischen Veränderungen berücksichtigen. Bedingt durch das Einsetzen der Pubertät kommt es nämlich vermehrt zur Bildung des Wachstumshormons STH sowie, vor allem bei den Jungen, des männlichen Sexualhormons Testosteron.

Dies führt zu einem verstärkten Knochen- und Muskelwachstum, wodurch sich die Hebel- und damit auch die Kraftverhältnisse am Muskel- und Skelettsystem der Heranwachsenden immens verändern (Achtung: =hohe Belastungen für die Knorpelwachstumszonen der langen Röhrenknochen ® bei Problemen unbedingt den Rat des erfahrenen Orthopäden befolgen, um Langzeitschäden zu vermeiden!).
Der Trainer sollte wissen, daß sich dadurch sehr häufig die koordinativen Fähigkeiten sowie die Flexibilität von Muskeln und Gelenken zum Negativen hin verändern, wodurch sich bereits in diesem Alter die Verletzungsgefahr am passiven und aktiven Bewegungsapparat deutlich erhöht!

Nicht zuletzt nehmen muskuläre Dysbalancen vor allem im für den Fußballspieler typischen Hüft- und Beckenbereich leider all zu oft ihren Ursprung in dieser Entwicklungsphase.
Aus besagten Gründen müssen bereits in diesem Alter fußballspezifische Stretching- und Kräftigungsübungen (vor allem für die Hüft- und Beckenmuskulatur zur frühzeitigen Vermeidung von späteren Rücken- und Adduktorenproblemen) sowie koordinativ anspruchsvolle fußballspezifische Lauf- und Sprungelemente nach und nach in das Aufwärmprogramm integriert und zum festen Bestandteil desselben werden!

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Selbständiges Aufwärmen

Wünschenswert wäre hierbei aus unserer Sicht, daß der vor dem Wechsel in die B- Junioren befindliche C- Jugendliche in der Lage sein sollte, selbständig ein mindestens 20- minütiges Aufwärmprogramm inklusive Stretchingübungen durchzuführen!
So können zum Beispiel nach einer gewissen Eingewöhnungsphase einzelne Spieler das Aufwärmprogramm einer Trainingseinheit selbst gestalten und anschließend mit dem Trainer besprechen.
Auf diese Weise fördert dieser kooperativ-integrative Führungsstil des Trainers zum einen schon in der Aufwärmphase des Trainings oder Spiels die Selbständigkeit und das Verantwortungsbewußtsein der Spieler, und zum anderen wird den Spielern pädagogisch sinnvoll die Wichtigkeit des Aufwärmens in bezug auf eine gezielte Verletzungsprophylaxe klar gemacht.
Während das Aufwärmen im Grundlagenbereich vorwiegend motivationale und grundlegende technisch-taktische Aspekte berücksichtigen sollte, kommt im Aufbautraining mit der Verletzungsvorbeugung durch ein geeignetes Übungsprogramm und entsprechende pädagogische Maßnahmen ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu.
Somit erfährt das rein spielerische Aufwärmen des Grundlagentrainings im Aufbautraining aufgrund der sich in der Pubertät gravierend ändernden psycho-physischen Bedingungen der Heranwachsenden eine dringend notwendige Ergänzung, ohne jedoch schon der von Freiwald („Aufwärmen Fußball“, rororo, 1994) geforderten Dreiteilung des Aufwärmens im Erwachsenenalter in: allgemeines / spezielles / individuelles Aufwärmen gerecht werden zu wollen!

Inhalte des Aufwärmens im Aufbautrainingsalter:

  • Technische Basisübungen mit variablen Bedingungen und Aufgabenstellungen mit dem Ziel, Bewegungsabläufe zu automatisieren: Z.B. Ball passen / an- und mitnehmen / führen / fintieren“
  • Partner- und Kleingruppenübungen zum Erlernen folgender taktischer Basiselemente sowie ihrer fußballtypischen Ball- und Laufwege: Z.B. Ball übergeben und übernehmen / hinterlaufen des Mitspielers / kreuzen mit dem Mitspieler
  • Dehn- und Kräftigungsübungen

1. der Beinmuskulatur
2. der Hüft- und Beckenmuskulatur
3. der Bauch- und Rückenmuskulatur

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